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Deutsch Intern
Institut für Geschichte


Nach der Diktatur. Instrumente der Aufarbeitung autoritärer Systeme im internationalen Vergleich

Die Projekt-Homepage finden Sie hier.

Vergangenheitsbewältigung hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seit 1990 auch der DDR gilt als Kernstück demokratischer Identität der Bundesrepublik. Ist dieser Umgang mit der Vergangenheit auch auf andere Länder übertragbar?

In den letzten Jahrzehnten sind nicht nur im ehemaligen sowjetischen Machtbereich zahlreiche Diktaturen zu Demokratien transformiert worden. Auch in Asien, Afrika und Südamerika wandelten sich etliche autoritäre Regime zu demokratischen Gemeinwesen. Der Periode des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, weil sich hier oftmals entscheidet, ob sich ein demokratisches System langfristig etablieren kann oder nicht. In dieser Phase geht es nicht nur darum, ein funktionierendes Mehrparteiensystem zu schaffen, freie Wahlen zu ermöglichen, rechtsstaatliche Strukturen zu etablieren und die Wahrnehmung politischer Grundrechte zu garantieren. Ebenso wichtig ist es, eine Zivilgesellschaft zu entwickeln, die diese Strukturen langfristig trägt, wofür es unter anderem freie Medien, Interessensverbände und Gewerkschaften bedarf. Um einen Rückfall in alte diktatorische Muster zu verhindern, geht es dabei auch um die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit – also um einen gesellschaftlichen Prozess der Auseinandersetzung, Wahrheitsfindung und Aufklärung über die entledigte Diktatur.

Im Rahmen des Projektes sollen erstmals die Aufarbeitungsprozesse in verschiedenen Ländern Europas, Asiens, Südamerikas und Afrikas in vergleichender Perspektive untersucht werden. Ziel ist es, die dabei angewandten Instrumente der Vergangenheitsbewältigung zu identifizieren und auf Erfolg oder Misserfolg zu überprüfen. Wurden die Verantwortlichen für die zurückliegenden Verbrechen bestraft? Kam es zu einem Austausch der Eliten? Wurden die Opfer der Diktatur juristisch rehabilitiert und materiell entschädigt? Gibt es Stätten oder Rituale öffentlicher Erinnerung? Und wie wird die Diktatur in Schulen und Museen, in Kunst, Film und Literatur behandelt? Bei der Untersuchung der Aufarbeitungsprozesse soll auch eine Verbindung zum Entwicklungsstand des jeweiligen Landes sowie zu spezifischen kulturellen und politischen Traditionen hergestellt werden. Auch die Form des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie – vom revolutionären Umsturz bis zur allmählichen Reformierung – soll Berücksichtigung finden. Aus der vergleichenden Analyse sollen schließlich Handlungsempfehlungen für die betroffenen Staaten und die deutsche Entwicklungspolitik abgeleitet werden.

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

 

After the Dictatorship. Instruments of Transitional Justice in Former Authoritarian Systems – An International Comparison

For more information, visit our project website at https://after-dictatorship.org/en/index.html

Coming to terms with its dictatorial past plays an important role in Germany. The critical examination of National Socialism and, since 1990, of the GDR is considered to be the centerpiece of contemporary Germany’sdemocratic identity. Is this way of dealing with the past transferable to other countries?

In recent decades, numerous dictatorships have been transformed into democracies, not just in the former Soviet sphere of power. In Asia, Africa and South America, too, a number of authoritarian regimes have changed into democratic communities. The period of the transition from dictatorship to democracy is of particular importance as such periods often determine whether a democratic system can be established in the long term or not. This phase is not only about creating a functioning multi-party system, enabling free elections, establishing structures of a state of law and guaranteeing the exercise of fundamental political rights. But it is also equally important to develop a civil society that supports these structures in the long run, which requires, among other things, free media, interest groups and unions. In order to prevent a relapse into old dictatorial patterns, it is also crucial to analyse the past that is to say: a broad social process of debate, finding the truth and clarifying the dictatorship that has been eliminated, which is shortly referred to as Transitional Justice.

For the first time, a project is examining the process of Transitional Justice in various countries of Europe, Asia, South America and Africa in a comparing perspective. The aim is to identify the instruments used to deal with the past and to check them for success or failure. Have those responsible been penalized for the crimes in the past? Did the elites change? Have the victims of the dictatorship been legally rehabilitated and materially compensated? Are there places or rituals of public memory? And how is the dictatorship treated in schools and museums, in art, film and literature? When examining the processes of Transitional Justice, a link should also be made to the level of development in the respective country and to specific cultural and political traditions. The form of the transition from dictatorship to democracy – from revolutionary upheaval to gradual reform – should also be taken into account. Finally, recommendations for action for the countries concerned and for Germany’s development policy are to be derived from the comparative analysis.