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Deutsch Intern
Institut für Geschichte

BMBF-Projekt


Der Schatten der Vergangenheit. Der Umgang mit Diktaturen in demokratischen Gesellschaften Europas. Spanien und Portugal im europäischen und lateinamerikanischen Kontext

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ab März 2021 geförderte Projekt verortet sich im interdisziplinären Forschungsfeld der „Transitional Justice (TJ)“ und den geschichtswissenschaftlichen Teilbereichen der transnationalen Geschichte, der Verflechtungsgeschichte und der Transferforschung innerhalb der Geschichtswissenschaft. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Umgang mit dem historischen Erbe der vorangegangenen Diktaturen auf der iberischen Halbinsel in nun demokratischen Gesellschaften. Während zu dem allgemeinen Komplex bereits Einzelstudien vorliegen, sollen hier besonders europäische und transnationale Dimensionen Beachtung finden und politik- und kulturhistorisch sowie mediengeschichtlich vermessen werden.

Zum einen leistet das Projekt damit einen Beitrag zur Erforschung und Konstituierung von „Europa als Erinnerungsgemeinschaft“. Weit über die Hälfte der gegenwärtigen EU-Staaten durchlebten im 20. Jahrhundert eine Diktaturerfahrung. Eine transnationale Aufarbeitung dieser zweifellos geteilten europäischen Erinnerung bietet eine Chance zur europäischen Integration – insbesondere der südeuropäischen und osteuropäischen Staaten. Zum anderen lassen sich Verflechtungen mit und gegenseitige Effekte auf Brasilien, Chile und auch Argentinien nachweisen, wobei sich die Frage nach Konvergenz im Sinne einer globalen TJ stellt. Der „Pinochet-Effekt“, mit dem die Vorbildwirkungen in Diktaturaufarbeitungsprozessen bezeichnet werden, brach den pacto de silencio in Spanien endgültig auf. Das hatte weitreichende Folgen für die spanische Erinnerungskultur. Denn die Aufarbeitung der diktatorischen Vergangenheiten in den Ländern des vormaligen spanischen Kolonialreichs bewirkte indirekt eine Verdichtung der Aufarbeitung im ehemaligen Mutterland. Hier gilt es, die Transferprozesse, Vorbildverhältnisse, aber auch Abgrenzungen oder Transferverweigerungen auszumachen und zu analysieren, ebenso im Falle Portugals und Brasiliens. Dynamische Erinnerungskulturen und „Formen des Vergessens“ (Aleida Assmann) sollen dabei aufeinander bezogen analysiert werden.