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Institut für Geschichte

DFG-Projekt

Geschichte eines Leitmediums. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung von ihrer Gründung 1949 bis zur Gegenwart

Angesichts eines im internationalen Vergleich eklatanten Rückstandes der Forschung über deutsche Leitmedien untersucht das Projekt die Geschichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Kontext der Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik und in der Funktion als Weltblatt, das primäres Wissen und Orientierung für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im In- und Ausland zur Verfügung stellte, rahmte und interpretierte und diese Bereiche medialisierte.

Die Leitfragen des Projekts zielen darauf, wie die organisationale Identität der Zeitung im Hinblick auf den stets bedrohten journalistischen Zentralwert der Unabhängigkeit hergestellt wurde, worauf diese organisationale Identität sich bezog, wie sie tradiert, verändert, nach außen kommuniziert und wie sie rezipiert wurde. Prozesse der Politisierung und Profilbildung sollen dabei ebenso wie die Ausbildung eines Binnenpluralismus analysiert werden. Der zweite Fragenkatalog richtet sich, systemtheoretisch grundiert, auf die Leistungen, Resonanzen, Irritationen, die strukturellen Kopplungen und Erwartungsstrukturen der vier gesellschaftlichen Funktionssysteme Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Drittens sollen in semantischen Analysen, für die das digitale Volltextarchiv der Zeitung eine optimale Basis bietet, Häufigkeitsverteilungen,  Bedeutungsverschiebungen, Salienzen, Kontexte und das Agenda-Setting der Ressorts untersucht werden. Der Gesamttitel des Projekts bringt zum Ausdruck, dass das Mediensystem Leistungen für die funktionalen Systeme von Politik und Wirtschaft bzw. Wirtschaftswissenschaft zur Verfügung stellt, von diesen aber auch irritiert wird.

Methodisch kombiniert das Projekt die sozialwissenschaftliche Praxis der systematischen Zufallsauswahl mit einer medienhistorisch erprobten ereignis-, akteurs- und themenbezogenen Quellenselektion. Grundlage dafür ist das bisher noch nicht umfassend ausgewertete digitale Volltextarchiv der FAZ, Herausgeberprotokolle sowie die Nachlässe zahlreicher Herausgeber, Redakteure und Wissenschaftler, ferner die Berichterstattung der Konkurrenzmedien und Archivalien aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der Untersuchungszeitraum reicht von der formativen Gründungsperiode der FAZ bis zur Gegenwart.

Die Leitfragen sollen in Teilprojekten, die sich grob an der Ressorteinteilung orientieren, beantwortet werden und dann in einer Monografie zur Gesamtgeschichte der Zeitung im  Kontext der deutschen und europäischen Zeitgeschichte gebündelt werden. Drei Teilprojekte zum Politik- und Wirtschaftsressort sowie zum Feuilleton  sind von der DFG bewilligt worden.

Das Vorhaben soll als Pilotprojekt Forschungen zu wichtigen Einzelmedien anstoßen, die für die bundesdeutsche Geschichte noch Mangelware sind (Spiegel, Stern, SZ), und ein Umdenken in den Verlagen hinsichtlich Forschungen zu ihren Medien bewirken.

 

Given the striking lag that the research of German print media has in international comparison, the project investigates the history of the Frankfurter Allgemeine Zeitung in context to the history of society. Secondly it analyzes the function which the newspaper, as a “global paper”, has had in inland and abroad in providing knowledge and orientation to politics, the economy and science.

The central questions of the project aim at how the paper’s organizational identity has established independence in terms of the threatened value of journalism. Also, to what this organizational identity referred to and how it got passed on, changed and how it got absorbed. Furthermore, the processes of Politisierung (politicisation) and profile formation are analyzed as well as the development of pluralism inside the newspaper. The second questionnaire (system theoretically based) focuses on the achievement, feedback, irritations, the structural interconnection and the expectations of the four systems of society: media, economy, science and politics. The whole title of the projects expresses, that the system of media provides achievements for the functional system of politics and economy and accordingly business science. Nevertheless, the system also gets irritated by these.

Methodically, the project combines the social practice of the strict random-selection with a source selection which is proven relevantly and occasionally. The research foundation is the rarely explored FAZ’s digital archive, as well as the literary remains of numerous publishers, editors and scientists, coverage from business competitors and the impacts on politics, the economy and science. The period of analysis rages from the founding of the paper until the present.

The central questions are supposed to be answered in sub-projects, which are oriented at the Ressorteinteilung (departmental structure) and shall lead to a synthesis of the history of this newspaper in context of German and European contemporary history. The proposition ought to act as a pilot project. This should ignite future research to important media, which are scarce commodities in German historiography and provoke a rethinking in publishing concerning research to their media.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

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