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Intern
Institut für Geschichte

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2022/23

Vorlesungszeit - Beginn am: 25. Oktober 2022 (23. KW) 

  

Vorlesung

PD Dr. Katharina Wojciech: Gender in der Antike

Donnerstag, von 10 bis 12 Uhr, Philosophiegebäude, Hörsaal 3 (Hubland Süd)

Gender Studies erfreuen sich aktuell einer großen Beliebtheit. In der Altertumswissenschaft begannen sie als der Versuch, Frauen in die Geschichte einzuschreiben, sie sichtbar zu machen, ihnen eine Stimme zu geben. Nun gehören zur Beschäftigung mit dem Geschlecht ebenso Fragen nach spezifischen Männlichkeitsidealen, weiteren Geschlechtsformen oder sexuellen Identitäten. Die Vorlesung möchte in die Geschichte der fachspezifischen Gender Studies einführen und einen Überblick darüber geben, wie Menschen in der Antike das soziale Geschlecht wahrgenommen und konstruiert, bestimmte einem Geschlecht zugeschriebene Rollen entworfen, bestätigt oder destruiert haben. Dabei wird die Situation der Frauen und das Verhältnis der Geschlechter zueinander eine besondere Berücksichtigung erfahren; die Vorlesung beschränkt sich aber nicht darauf. Um die Bedeutung der Gesellschaft für die Geschlechtskonstruktion schärfer herauszuarbeiten, werden im Verlauf des Semesters aussagekräftige Beispiele aus dem Denken und Alltag der griechischen und der römischen Welt unterschiedlicher Epochen in typischen Kontexten (Familie, öffentliches Leben, Gerichte, Bildung, Krieg, Medizin u.a.) herangezogen, vorgestellt, analysiert und miteinander verglichen. Bis zum Vorlesungsbeginn ist es möglich und erwünscht, mir zu signalisieren, falls besondere Interessensschwerpunkte vorliegen, die ich in die Vorlesung integrieren sollte (katharina.wojciech@uni-wuerzburg.de).

Einführende Literatur:

  • A. Eckert, Entwicklungslinien der Gender-Forschung in den deutschsprachigen Altertumswissenschaften, in:
    A. Bothe / D. Schuh (Hgg.): Geschlecht in der Geschichte. Integriert oder separiert? Gender als historische Forschungskategorie, Bielefeld 2014, 237-257;
  • Thomas Späth / Beate Wagner-Hasel (Hgg.), Frauenwelten in der Antike.  Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis, Sonderausgabe, Stuttgart, Weimar 2006.

 

 

Grundkurs

Prof. Dr. Jorit Wintjes:  Grundkurs zur Alten Geschichte

Mittwoch, von 10 bis 12 Uhr , Philosophiegebäude, Hörsaal 2 (Hubland Süd)

Der Grundkurs gibt einen Überblick über die wichtigsten Epochen der Alten Geschichte und führt in Ereignis-, Gesellschafts-, Struktur- und Mentalitätsgeschichte der griechischen und römischen Welt ein.

Einführende Literatur:

  • Elke Stein-Hölkeskamp, Das archaische Griechenland. Die Stadt und das Meer (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015
  • Sebastian Schmidt-Hofner, Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2016
  • Peter Scholz, Der Hellenismus. Der Hof und die Welt (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015
  • Wolfgang Blösel, Die römische Republik. Forum und Expansion (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015
  • Armin Eich, Die römische Kaiserzeit. Die Legionen und das Imperium (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2014
  • Rene Pfeilschifter, Die Spätantike. Der eine Gott und die vielen Herrscher (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2018²

 

 

Proseminare

Das Seminar vermittelt allgemeine Kenntnisse zur Alten Geschichte, bietet anhand ausgewählter Beispiele einen Überblick über die fachspezifischen Hilfsmittel und Methoden der Alten Geschichte und zeigt die Interdependenzen mit anderen geisteswissenschaftlichen Teildisziplinen auf.

  

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter: Theodora

Dienstag, von 16 bis 18 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Theodora, Tochter eines Bärenwärters und einer Tänzerin, arbeitete im Konstantinopel des sechsten Jahrhunderts n. Chr. als Prostituierte und, schlimmer noch, als Schauspielerin. Als eine Art antikes, allerdings nicht jugendfreies Aschenputtel war sie nicht bloß in Ausschweifungen aller Art verstrickt, sondern gewann auch die Liebe des Thronfolgers Justinian. Dieser war mit einer Affäre nicht zufrieden und nahm Theodora gegen den erbitterten Widerstand des Establishments zur Ehefrau. Zur Kaiserin aufgestiegen, übte sie bis zu ihrem Tod einen gewissen Einfluß auf Justinians zumindest äußerlich glanzvolle Regierung aus.

Um Gründe und Grenzen von Theodoras Macht wird es im Seminar gehen, aber auch um den Mann, der sie nach Kräften mit Dreck bewarf – Prokop, einer der größten Geschichtsschreiber der Antike. Neben der historischen Thematik führt das Seminar in Methoden und Hilfsmittel, Quellengattungen und Nachbardisziplinen der Alten Geschichte ein.

Einführende Literatur:

  • David Potter, Theodora. Actress, Empress, Saint (Women in Antiquity), New York 2015 [im Campusnetz]
  • Hartmut Leppin, Theodora und Justinian, in: Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (Hrsg.), Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora, München 2002, 437-481
  • Hartmut Leppin, Justinian. Das christliche Experiment, Stuttgart 2011
  • Rene Pfeilschifter, Die Spätantike. Der eine Gott und die vielen Herrscher (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2017²

 

PD Dr. Jorit Wintjes: Die Perserkriege

Dienstag, von 14 bis 16 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Als die Perser zu Beginn des 5. Jh. v. Chr. Richtung Griechenland zogen, schlossen sich einige Poleis im so genannten Hellenenbund zusammen, um ihre Heimat(en) gemeinsam gegen die Invasoren aus dem Osten zu verteidigen. Erstaunlicherweise ging dieser Plan auf: Unter der Führung Spartas konnten die Perser nach anfänglichen Rückschlägen bei Salamis in einer Seeschlacht und schließlich bei Plataiai auch zu Lande besiegt und so zurückgedrängt werden.

Neben der inhaltlichen Komponente des Seminars wird allgemein in die Arbeitsmethoden und Hilfswissenschaften der Alten Geschichte eingeführt.

Einführende Literatur:

  • George Cawkwell, The Greek Wars. The Failure of Persia, Oxford 2005
  • Sebastian Schmidt-Hofner, Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015
  • Karl-Wilhelm Welwei, Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999
  • Ders., Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 20072
  • Wolfgang Will, Die Perserkriege, München 2010

 

PD Dr. Maria Osmers / Dr. Fabian Knopf

Dienstag, von 12 bis 14 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

 

PD Dr. Maria Osmers / Dr. Knopf

Mittwoch, von 14 bis 16 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

 

PD Dr. André Heller: Rom und die hellenistische Staatenwelt

Donnerstag, von 12 bis 14 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Im Verlauf des 3. und 2. Jh. v. Chr. dehnte die römische Republik ihren Einflussbereich nach Griechenland und in den östlichen Mittelmeerraum aus, wodurch es zu Konflikten mit der hellenistischen Staatenwelt kam. Durch militärisches wie teils aggressives diplomatisches Vorgehen gelang Rom der Ausbau der Hegemonialstellung, die mit der Provinzialisierung Makedoniens, der Reste des Seleukidenreichs und des ptolemäischen Ägyptens endete. Zeuge dieses Aufstieges war der griechische Historiker Polybios, der neben Livius die Hauptquelle darstellt, aber auch die Ursachen des römischen Erfolgs analysiert.

Das Seminar stellt nicht nur die Geschehnisse bis zum Fall Alexandrias (30 v. Chr.) vor, sondern fragt auch nach den Einflüssen, die Rom die Erringung der „Herrschaft über die ganze bewohnte Welt“ (Polybios) ermöglichten. Daneben führt das Seminar allgemein in Methoden und Arbeitsinstrumente der Alten Geschichte ein; außerdem werden Techniken zum korrekten Abfassen einer Wissenschaftlichen Hausarbeit vermittelt.

Einführende Literatur:

  • A. M. Eckstein, Rome enters the Greek East. From anarchy to hierarchy in the Hellenistic Mediterranean, Malden, MA 2008
  • E. S. Gruen, The Hellenistic world and the coming of Rome, 2 Bdd., Berkeley, CA/Los Angeles 1984
  • B. Meißner, Hellenismus, Darmstadt 2007
  • M. Sommer, Römische Geschichte I: Rom und die antike Welt bis zum Ende der Republik, Stuttgart 2013, S. 248–329

 

PD Dr. André Heller: Severus Alexander und seine Zeit

Donnerstag, von 16 bis 18 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Mit der Regierung des Severus Alexander (222–235) endet die Zeit der Severerdynastie, die seit dem Jahr 193 das Imperium Romanum beherrscht hatte. Nach der Ermordung Alexanders, der im Alter von zwölf Jahren auf den Thron gelangt und zeitlebens von seiner Mutter abhängig war, beginnt die Zeit der „Soldatenkaiser“. Obwohl seine Regierungszeit vor allem durch die notorisch unzuverlässige Historia Augusta behandelt wird, bietet er als Kaiser einer Übergangszeit in vielerlei Hinsicht spannende Einblicke in die damalige Regierungspraxis und die historischen Umwälzungen im Inneren wie Äußeren. Es stellt sich auch die Frage, woher sein überwiegend positives Bild – auch außerhalb der Historia Augusta – stammt. Wurde er nur deshalb als Idealkaiser gezeichnet, da er zwischen dem Exzentriker Elagabal – seinem Vetter – und dem „Barbaren“ Maximinus Thrax regierte oder konnte er als Kaiser doch positive Akzente setzen?

Daneben führt das Seminar allgemein in Methoden und Arbeitsinstrumente der Alten Geschichte ein; außerdem werden Techniken zum korrekten Abfassen einer Wissenschaftlichen Hausarbeit vermittelt.

Einführende Literatur:

  • M. Grant, The Severans. The Roman Empire transformed, London/New York 1996
  • M. Handy, Die Severer und das Heer, Berlin 2009
  • S. Nadolny, Die severischen Kaiserfrauen, Stuttgart 2016
  • B. Schöpe, Der römische Kaiserhof in severischer Zeit (193–235 n. Chr.), Stuttgart 2014

  

Hauptseminare - Ausgewählte Probleme der Alten Geschichte I

Das Seminar bietet dem/der Studierenden die Möglichkeit, umfangreichere Sachverhalte aus dem Bereich der Alten Geschichte unter Anleitung und mit den fachspezifischen Hilfsmitteln und Methoden der Alten Geschichte aufzuarbeiten. Grundlage der Arbeit im Seminar ist die Kenntnis der in der Lektüreliste des Lehrstuhls für Alte Geschichte aufgeführten Quellentexte. Die Kenntnis bzw. begleitende Lektüre grundlegender Literatur, die per Aushang bzw. in der Lehrveranstaltung bekanntgegeben werden, wird vorausgesetzt.

 

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter: Sulla und die Krise der römischen Republik

Dienstag, 10 bis 12  Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Sulla eroberte als erster Römer die eigene Stadt, er setzte sich in einem blutigen Bürgerkrieg durch, ließ seine Gegner ächten und hinrichten, gewann fast absolute Gewalt über das Gemeinwesen – und legte sie aus freien Stücken nieder. Deswegen schalt ihn Caesar später einen politischen Analphabeten, aber angesichts von Caesars Ende scheint Sullas Entscheidung so töricht nicht gewesen zu sein. Immerhin verbindet sich mit seinem Namen die erste und einzige systematische Reform der römischen Verfassungsordnung. Insofern war Sullas Wirken wegweisend, nur daß die Römer diesen Weg nicht beschreiten wollten. Das Seminar zeichnet Sullas Karriere nach und analysiert, warum er letztlich zu einem Totengräber statt zum Retter der Republik wurde.

Einführende Literatur:

  • Bernhard Linke, Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla (Geschichte kompakt – Antike), Darmstadt 20153;
  • Herbert Heftner, Von den Gracchen bis Sulla. Die römische Republik am Scheideweg 133-78 v. Chr., Regensburg 2006;
  • Karl Christ, Sulla. Eine römische Karriere, München 2002;
  • Arthur Keaveney, Sulla. The Last Republican, London 20052.

 

Prof. Dr. Jorit Wintjes: Griechen und Karthager auf Sizilien

Montag, 16 bis 18 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Im Zuge der sogenannten Großen Kolonisation siedelten Griechen unter anderem auf Sizilien, wo Gründungen wie Naxos, Gela oder insbesondere Syrakus sich schnell zu bedeutenden Städten entwickelten. Dabei gerieten die Griechen in Konflikt mit den Karthagern, die im Verlauf des 7. und 6. Jh. die phönizischen Siedlungen im Westen der Insel unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Im Mittelpunkt des Seminars steht die Auseinandersetzung zwischen Griechen und Karthagern im 5. und frühen 4. Jh. v. Chr.

Einführende Literatur:

  • Martin Dreher, Das antike Sizilien, München 2008;
  • Moses Finley, Das antike Sizilien. Von der Vorgeschichte bis zur arabischen Eroberung, München 1993;
  • Marc Hofer, Tyrannen, Aristokraten, Demokraten: Untersuchungen zu Staat und Herrschaft im griechischen Sizilien von Phalaris bis zum Aufstieg von Dionysios I., Bern 2000.

 

Oberseminar 

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:  Oberseminar zur Alten Geschichte

Montag, von 18 bis 20 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte, Residenz, Raum 3.31 (Dienstzimmer Pfeilschifter)

Das Seminar dient der Vorstellung und Diskussion von Qualifikationsarbeiten sowie kleinerer und größerer Forschungsprojekte. Ich bitte um persönliche Anmeldung in der Sprechstunde.

Hinweise: Persönliche Anmeldung beim Dozenten; weitere Informationen zum Oberseminar auch auf der Homepage des Lehrstuhls für Alte Geschichte.

 

  

Theorie und Methode der Geschichtswissenschaft

Anschließend an wesentliche Momente in der Geschichte der Historiographie und/oder an aktuelle geschichtswissenschaftliche Diskurse werden in der Lehrveranstaltung Kompetenzen im Hinblick auf Probleme der fachwissenschaftlichen Theoriebildung bzw. Methodik und deren praktische Anwendung vermittelt. Die Kenntnis bzw. begleitende Lektüre grundlegender Quellen bzw. Literatur, die per Aushang bzw. in der Lehrveranstaltung bekannt gegeben werden, wird vorausgesetzt.

 

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter: Eugippius, Vita sancti Severini

Mittwoch, von 10 bis 12 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Vom Heiligen Severin wissen wir fast nur aus der Biographie, die Eugippius einige Jahrzehnte nach seinem Tod 482 schrieb. Darin erfahren wir von Wundern und Proben seiner Glaubensstärke genauso wie von den Zuständen in der Provinz Noricum (Teile Österreichs und des Voralpenlands) vor und während des Zusammenbruchs der römischen Herrschaft. So informiert die Vita sancti Severini nicht nur über Wirken und Ansehen eines Mönches, Eremiten und Klostergründers, sondern stellt auch die einzige erzählende Quelle von einiger Ausführlichkeit zur Vorgeschichte Bayerns im fünften Jahrhundert dar.

In der Übung lesen und übersetzen wir den Text und interpretieren ihn ausführlich. Von den Teilnehmern erwarte ich schon zu Beginn des Semesters Kenntnisse der historischen und religiösen Situation des fünften Jahrhunderts, dann zu jeder Stunde umfassende Vorbereitung – durch Lektüre des Texts und Studium der Literatur – und natürlich Freude an der Diskussion. Gute Lateinkenntnisse sind unabdingbar.

Literatur - Textgrundlage:

Eugippius, Vita sancti Severini. Das Leben des heiligen Severin. Lateinisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Theodor Nüsslein (Reclams Universal-Bibliothek 8285), Stuttgart 19992.


Einführende Literatur:

  • Alois Schmid (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. I 1: Das Alte Bayern. Von der Vorgeschichte bis zum Hochmittelalter, München 2017; Dieter von der Nahmer, Die lateinische Heiligenvita. Eine Einführung in die lateinische Hagiographie (Das lateinische Mittelalter), Darmstadt 1994; Rene Pfeilschifter, Die Spätantike. Der eine Gott und die vielen Herrscher (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2017².   

 

PD Dr. Maria Osmers / Dr. Fabian Knopf

Mittwoch, von 16 bis 18 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

 

Julia Schwarzer: Lektüreübung: Eine koptische Kirchengeschichte

Montag, von 10 bis 12 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Koptische Literatur und Sprache wurden lange Zeit als ancilla, als Mittel zum Zweck angesehen, die dazu dienten, die Rezeption klassischer griechischer Texte zu verfolgen oder verlorene Werke zu rekonstruieren. Die koptische Sprache und Kultur selbst wurden mitunter als minderwertig oder primitiv konzeptualisiert. Bei der koptischen Kirchengeschichte (CHH) handelt es sich um ein historiographisches Werk, das wohl in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts aus verschiedensten Quellen kompiliert wurde. Während sie sich in einem ersten Teil u.a. stark auf die Historia Ecclesiastica des Eusebius stützt, entwickelt sie in ihrem zweiten Teil eine eigene Dynamik. Die Darstellung begann wahrscheinlich mit den Verfolgungen unter Decius (249-251) und endet mit dem Episkopat des Timotheus Aelurus (457-477). Sie zeugt von einer ägyptischen Aneignung der Geschichte im Nachgang des Konzils von Chalkedon (451), die nach Tito Orlandi maßgeblich zu Entstehen des Bewusstseins einer spezifisch ägyptischen Kirche beitrug. In der Forschung führt die CHH ein Schattendasein, was wohl auch daran liegt, dass keine Übersetzung in eine der modernen Sprachen vorliegt. Im Lektürekurs möchten wir das ändern, indem wir die Lektüre und Quellendiskussion miteinander vereinen.

Als Textgrundlage für den Lektürekurs dient die von Tito Orlandi besorgte Edition: 

  • Storia della Chiesa di Alessandria. Testo copto, traduzione e commento di Tito Orlandi, vol. I: Da Pietro ad Atanasio, Mailand 1967.
  • Storia della Chiesa di Alessandria. Testo copto, traduzione e commento di Tito Orlandi, vol. II: Da Teofilo a Timoteo II, Mailand 1967.

Einführende Literatur:

  • Orlandi, Tito, “The Coptic Ecclesiastical History: A Survey.” In The World of Early Egyptian Christianity: Language, Literature, and Social Context. Essays in Honor of David W. Johnson, hrsg. v. James E. Goehring and Janet A. Timbie, 3–24. Washington, DC 2007, 3-24

 

Julia Schwarzer: Magie im spätantiken Ägypten

Montag, von 16 bis 18 Uhr,  Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Als „magisch“ bezeichnete Praktiken sind ständige Begleiter in unseren antiken Schriftquellen. Ihr Leumund ist durchwachsen und so werden sie gerne mit Scharlatanerie oder Gauklerei verbunden, während in der Spätantike die als „Theurgie“ bezeichnete Magie in manchen neoplatonischen Kreisen als Mittel der Gottesschau gilt. „Magie“ diente sowohl klassischen Autoren aber auch im christlichen Zusammenhang als Projektionsfläche zur Konstruktion des Anderen und Instrument zur Delegitimierung von Gegnern. Doch existieren nicht nur Zeugnisse über Magie sondern u.a. mit den magischen Papyri auch direkte Überreste ritueller Praxis, die als magisch bezeichnet werden kann. Der Schwerpunkt der Übung liegt auf dem spätantiken Ägypten und den koptischen magischen Papyri. Die koptischen magischen Papyri bilden ein anspruchsvolles Quellengenre, in dem sich pagane, jüdische und christliche Einflüsse miteinander verbinden. Neben der Lektüre der Papyri steht deren Verortung im größeren religionshistorischen Zusammenhang der Spätantike im Vordergrund.

Die Veranstaltung ist offen für Studierende der Ägyptologie und der Alten Geschichte. Koptischkenntnisse sind keine Teilnahmevoraussetzung aber sehr willkommen.

Einführende Literatur:

  • BAGNALL, ROGER S., Egypt in Late Antiquity, Princeton 1993.
  • GRAF, FRITZ, Magic in the Ancient World
  • FRANKFURTER, DAVID, Christianizing Egypt: Syncretism and Local Worlds in Late Antiquity, Princeton 2017.
  • FRANKFURTER, DAVID, Guide to the Study of Ancient Magic (Religions in the Graeco-Roman World 189), Boston / Leiden 2019.
  • FRENSCHKOWSKI, MARCO, Magie im antiken Christentum: eine Studie zur Alten Kirche und ihrem Umfeld (Standorte in Antike und Christentum 7), Stuttgart 2016.

Für einen umfassenden Überblick vgl.: https://www.coptic-magic.phil.uni-wuerzburg.de/index.php/bibliography/#general ;

 

  

Spezialisierungsmodul - Historische Grundwissenschaften
1: Antike und Mittelalter

 

Prof. Dr. Jorit Wintjes: Die Vindolanda-Tablets

Dienstag, von 14 bis 16 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Zu den wohl wichtigsten dokumentarischen Quellen zur Geschichte der römischen Kaiserzeit zählen die nach ihrem ersten Fundort benannten "Vindolanda-Tablets". Sie gewähren schlaglichtartig faszinierende Einblicke vor allem in die Welt der an den Reichsgrenzen stationierten römischen Armee. Im Mittelpunkt der Übung steht die Lektüre ausgewählter Funde aus Vindolanda und Carlisle. Entsprechende Lateinkenntnisse sollten vorhanden sein, paläographische Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Einführende Literatur:

  • K. Bowman/J. D. Thomas, Vindolanda: The Latin Writing-Tablets, London 1983, 30-50

 

  

Digital Humanities

 

Prof. Dr. Jorit Wintjes:  Einführung in die Konfliktsimulation

Dienstag, 16 bis 18 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.36 (Bibliotheksraum)

Das Seminar bietet zunächst einen Überblick über die Geschichte der Konfliktsimulation und führt anhand von ausgewählten Beispielen aus dem Zusammenhang der Alten Geschichte in die Nutzungsmöglichkeiten derartiger Simulationen ein.

Einführende Literatur:

  • Grundlegend: P. A. G. Sabin. Simulating War: Studying Conflict Through Simulation Games. London: Continuum Publishing Corporation. 2012

  

Prof. Dr. Jorit Wintjes:  Historische Simulation – Erstellung:

Mittwoch, 8 bis 10 Uhr, Residenz (Südflügel), Raum 3.37

Das Seminar führt in die Erstellung einer historischen Simulation ein.

Einführende Literatur:

  • Grundlegend: P. A. G. Sabin. Simulating War: Studying Conflict Through Simulation Games. London: Continuum Publishing Corporation. 2012