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Deutsch Intern
Institut für Geschichte

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2019/20

Vorlesung

Dr. Maria Osmers:  Griechische Geschichte im 4. Jh. v. Chr.

Mittwoch, von 14 bis 16 Uhr – Philosophiegebäude, Hörsaal 4 (Hubland Süd)

Das 4. Jh. v. Chr. galt in der althistorischen Forschung lange als eine Zeit der Krise oder als eine Epoche des Niedergangs, die als Übergangs- oder Umbruchsphase das Ende der Polis und den Beginn der hellenistischen Staatenwelt einläutete. Und obwohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieses Bild in den letzten Jahren immer wieder in Frage stellen und die fortdauernde Vitalität der Polis im 4. Jh. betonen, wird die „spät-„ bzw. „nachklassische Zeit“ in Forschung und Lehre noch immer stiefmütterlich behandelt. Die Vorlesung soll den Studierenden einen Überblick über die griechische Geschichte des 4. Jh. v. Chr. vermitteln. Auf Grundlage neuester Forschungsergebnisse werden die Besonderheiten der Epoche diskutiert sowie insbesondere am Beispiel Athens Kontinuitäten herausgearbeitet und Veränderungen vorgestellt, mit denen die Griechen auf die spezifischen Herausforderungen der Zeit reagierten.

Einführende Literatur:

  • John B. Bury u. a. (Hrsg.), The Cambridge Ancient History. Vol. 6. The Fourth Century B.C., Cambridge 1994 [im Campusnetz].
  • Walter Eder u. a. (Hrsg.), Die athenische Demokratie im 4. Jahrhundert v. Chr.: Vollendung oder Verfall einer Verfassungsform? Akten eines Symposiums, 3. - 7. August 1992, Bellagio, Stuttgart 1995.
  • Oswyn Murray, The Greek city from Homer to Alexander, Oxford 1990; Claudia Tiersch (Hrsg.), Die Athenische Demokratie im 4. Jahrhundert. Zwischen Modernisierung und Tradition, Stuttgart  2016.
  • Karl-Wilhelm Welwei, Die griechische Polis: Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, Stuttgart 1998.

 

Grundkurs

PD Dr. Jorit Wintjes:  Grundkurs zur Alten Geschichte

Mittwoch, von 10 bis 12 Uhr – Philosophiegebäude, Hörsaal 2 (Hubland Süd)

Der Grundkurs gibt einen Überblick über die wichtigsten Epochen der Alten Geschichte und führt in Ereignis-, Gesellschafts-, Struktur- und Mentalitätsgeschichte der griechischen und römischen Welt ein.

Einführende Literatur:

  • Elke Stein-Hölkeskamp, Das archaische Griechenland. Die Stadt und das Meer (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015.
  • Sebastian Schmidt-Hofner, Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2016.
  • Peter Scholz, Der Hellenismus. Der Hof und die Welt (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015.
  • Wolfgang Blösel, Die römische Republik. Forum und Expansion (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015.
  • Armin Eich, Die römische Kaiserzeit. Die Legionen und das Imperium (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2014.
  • Rene Pfeilschifter, Die Spätantike. Der eine Gott und die vielen Herrscher (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2014.

  

Proseminare

Das Seminar vermittelt allgemeine Kenntnisse zur Alten Geschichte, bietet anhand ausgewählter Beispiele einen Überblick über die fachspezifischen Hilfsmittel und Methoden der Alten Geschichte und zeigt die Interdependenzen mit anderen geisteswissenschaftlichen Teildisziplinen auf.

 

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:  Die Tyrannis des Peisistratos

Dienstag, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Im siebten und sechsten Jahrhundert v. Chr. kämpften in den meisten griechischen Gemeinwesen mächtige Männer um die Herrschaft. Diejenigen, denen es gelang, sich durchzusetzen, nennt die Forschung Tyrannen. In Athen trat dieser Fall 546 mit dem Putsch des Peisistratos ein. Das Regime des Tyrannen glich dem eines modernen Diktators nur von Ferne, doch gemeinsam ist beiden die Konzentration der Herrschaftsmittel in einer Hand. Trotzdem wird die Tyrannis des Peisistratos und seiner Söhne von einigen als wichtige Phase in der Ausbildung des athenischen Staates gesehen, ja sogar als unverzichtbare Vorstufe für die Entstehung der Demokratie im fünften Jahrhundert. Den Gründen für diese auf den ersten Blick widersinnige Einschätzung widmet sich die Lehrveranstaltung. Neben der historischen Thematik führt das Seminar in Methoden und Hilfsmittel, Quellengattungen und Nachbardisziplinen der Alten Geschichte ein.

Einführende Literatur:

  • Elke Stein-Hölkeskamp, Das archaische Griechenland. Die Stadt und das Meer (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015 [im Campusnetz].
  • Martin Dreher, Athen und Sparta (C. H. Beck Studium), München 20122.
  • Karl-Wilhelm Welwei, Athen. Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis, Darmstadt 1992.
  • Loretana de Libero, Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996.

  

PD Dr. Jorit Wintjes:  Die Römische Armee von Augustus bis Septimius Severus

Dienstag, von 14 bis 16 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Die aus den Reformen des Augustus hervorgegangene römische Armee der frühen Kaiserzeit zählte nur zu den leistungsfähigsten militärischen Organisationen der Vormoderne. Daneben gab sie auch wichtige Impulse in die römische Gesellschaft hinein. Im Mittelpunkt des Seminars werden daher neben der Auseinandersetzung mit Struktur und Einsatz der Armee auch die Interaktion mit der Zivilbevölkerung sowie die Rolle der Armee in den politischen Prozessen der frühen und hohen Kaiserzeit stehen.

Einführende Literatur:

  • Peter Erdkamp (Hrsg.), A Companion to the Roman Army. Malden 2007 [im Campusnetz verfügbar].

 

PD Dr. Jorit Wintjes:  Das römische Britannien

Mittwoch, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Vom ersten direkten Kontakt der Römer mit Britannien im Jahr 55 v. Chr. bis zum Ende römischer Herrschaft in Nordwesteuropa zu Beginn des 5. Jh. entfaltete sich eine über 400 Jahre währende Geschichte römischer Herrschaft in Britannien. Das Seminar nimmt diese Geschichte eingehender in den Blick, wobei neben ereignisgeschichtlichen Fragestellungen auch die heute noch greifbaren Hinterlassenschaften der Römer im Mittelpunkt der Betrachtung stehen werden.

Einführende Literatur:

  • Anthony Birley, The Roman Government of Britain, Oxford 2005.
  • Sheppard Frere, Britannia: a history of Roman Britain, London1987³.

   

Dr. Maria Osmers: Der Peloponnesische Krieg

Montag, von 12 bis 14 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Das Seminar beleuchtet die Entwicklungen in Hellas im Anschluss an die Perserkriege und widmet sich dabei insbesondere der Vorgeschichte und dem Ablauf des Peloponnesischen Krieges. Im Zentrum steht die Frage, warum sich das Verhältnis zwischen den beiden Hegemonialmächten Athen und Sparta so sehr verschlechterte, dass es schließlich zur Eskalation kam. Welche Faktoren beeinflussten die Entscheidungen der beteiligten Akteure und waren auf diese Weise ausschlaggebend für den Ausbruch des – in den Worten des antiken Historikers Thukydides – „größten Kriegs aller Zeiten“? Neben den Ursachen und Gründen des Konflikts sollen auch die Dynamiken sowie die Auswirkungen auf die einzelnen Poleis sowie den griechischen Raum insgesamt betrachtet und analysiert werden. Neben der inhaltlichen Komponente des Seminars wird allgemein in die Arbeitsmethoden und Hilfswissenschaften der Alten Geschichte eingeführt.

Einführende Literatur:

  • Martin Dreher, Athen und Sparta, München 2001; Simon Hornblower, The Greek World. 479-323 BC, London 20114.
  • Lawrence A. Tritle, A new History of the Peloponnesian War, Malden u. a. 2010.
  • Karl-Wilhelm Welwei, Das klassische Athen, Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999.
  • Karl-Wilhelm Welwei, Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2005.

  

Dr. André Heller:  Mark Anton

Donnerstag, von 12 bis 14 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Obwohl der Triumvir M. Antonius (um 84–30) zu den bedeutendsten Römern der späten Republik zählte, stand er zeit seines Lebens im Schatten Anderer: Zuerst seines Vorbilds Caesar, dann der ägyptischen Königin Kleopatra und schließlich seines Rivalen Oktavian. Dabei schien es, dass Antonius nach Caesars Ermordung zum bestimmenden Mann der damaligen Zeit avancieren könnte. Unter seiner Führung wurden die Caesarmörder besiegt, ihm fiel der Osten des Imperium Romanum mit ungeheuren Ressourcen und weitgehender Gestaltungsfreiheit zu. Seine Liaison mit Kleopatra jedoch wusste Oktavian geschickt als Bild eines Mannes zu präsentieren, dessen Hörigkeit gegenüber „der Hure vom Nil“ römische Interessen verrate. Vollends manifestieren konnte sich Oktavians Sicht nach seinem Sieg bei Actium und dem Suizid Antonius’ und Kleopatras. Ziel des Seminars ist es, trotz dieser negativen Überlieferung Antonius’ Ziele und Leistungen sowie seine, seit jeher umstrittene Beziehung zu Kleopatra neu zu bewerten; außerdem ist Oktavians Selbstbild zu hinterfragen.

Einführende Literatur: 

  • Manfred Clauss, Kleopatra, München 20104..
  • Karl Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 20004.
  • Helmut Halfmann, Marcus Antonius, Darmstadt 2011; Pat Southern, Marcus Antonius. Eine politische Biographie, Erfurt 2000.

 

Dr. André Heller:  Vier verrückte Jahre: Elagabal regiert Rom

Donnerstag, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

M. Aurelius Antoninus: Wohl kaum ein römischer Kaiser (218–222) verdient den Ruf eines Skandalherrschers mehr. In den Quellen mischen sich Fakten mit Fiktion: Da ist zum einen sein Auftreten als Hohepriester seines Heimatgottes, dem er seinen heute üblichen Namen verdankt, oder die Heirat mit einer Vestalin, zum anderen die angebliche Ämtervergabe nach Größe der Genitalien, Pläne für eine Geschlechtsumwandlung oder das Betreiben eines Bordells im Palast. Diese Überschreitungen römischer Normen, gipfelnd in der Installation Elagabals als Oberhaupt des römischen Pantheons, führten zur Verzerrung seiner Person in der Überlieferung. Das Seminar will daher seine Herrschaft in die Severerzeit einordnen, die Gründe des Aufstiegs analysieren sowie ein unvoreingenommenes Bild von ihm und seiner Regierung zeichnen; zu berücksichtigen ist auch die Bedeutung orientalischer Kulte in Rom.

Einführende Literatur: 

  • Klaus Altmayer, Elagabal. Roms Priesterkaiser und seine Zeit, Nordhausen 2014.
  • Martin Frey, Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal, Stuttgart 1989.
  • Michael Grant, The Severans. The changed Roman Empire, London/New York 1996.
  • Martijn Icks, Elagabal. Leben und Vermächtnis von Roms Priesterkaiser, Darmstadt 2014.

 

Hauptseminare - Ausgewählte Probleme der Alten Geschichte I

Das Seminar bietet dem/der Studierenden die Möglichkeit, umfangreichere Sachverhalte aus dem Bereich der Alten Geschichte unter Anleitung und mit den fachspezifischen Hilfsmitteln und Methoden der Alten Geschichte aufzuarbeiten. Grundlage der Arbeit im Seminar ist die Kenntnis der in der Lektüreliste des Lehrstuhls für Alte Geschichte aufgeführten Quellentexte. Die Kenntnis bzw. begleitende Lektüre grundlegender Literatur, die per Aushang bzw. in der Lehrveranstaltung bekanntgegeben werden, wird vorausgesetzt.

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:  Der römische Triumph

Dienstag, von 10 bis 12 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Der Höhepunkt im Leben eines römischen Politikers war der Triumphzug durch die Straßen der Hauptstadt, inmitten von fröhlichen Soldaten, gebundenen Feinden und reichster Beute, umjubelt von der begeisterten Bevölkerung am Straßenrand. Es ist bezeichnend für die römische Kultur, daß der militärische Sieg über den Feind in der Normenhierarchie höher stand als die Wahl in die höchsten Ämter. Im Seminar geht es um den Ablauf des Zuges bis hin zum Opfer auf dem Kapitol, aber auch um alles drum herum: Wie entstand der Triumphzug? Was waren die Voraussetzungen? Wer gestattete ihn? Wie wurde das Spektakel eines Tages für die Ewigkeit aufbereitet? Vor allem: Wie veränderte sich der Triumph? Denn nicht nur in der Republik, sondern auch in der Kaiserzeit und in der Spätantike, ja darüber hinaus stellte er das größte Staatsschauspiel des römischen Imperiums dar.

Einführende Literatur:

  • Ernst Künzl, Der römische Triumph. Siegesfeiern im antiken Rom (Beck’s Archäologische Bibliothek), München 1988.
  • Mary Beard, The Roman Triumph, Cambridge, Mass., u. a. 2007.
  • Tanja Itgenshorst, Tota illa pompa. Der Triumph in der römischen Republik (Hypomnemata 161), Göttingen 2005.
  • Fabian Goldbeck / Johannes Wienand (Hrsgg.), Der römische Triumph in Prinzipat und Spätantike, Berlin u. a. 2017.

 

Dr. Maria Osmers:  Die Perserkriege: Der Beginn der Klassischen Zeit in Hellas

Montag, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Als die Perser zu Beginn des 5. Jh. v. Chr. Richtung Griechenland zogen, schlossen sich einige Poleis im sogenannten Hellenenbund zusammen, um ihre Heimat(en) gemeinsam gegen die Invasoren aus dem Osten zu verteidigen.Erstaunlicherweise ging dieser Plan auf: Unter der Führung Spartas und insbesondere aufgrund der Flottenstärke Athenskonnten die Perser nach anfänglichen Rückschlägen besiegt und so zurückgedrängt werden. Dieser Erfolg beeinflusstenachhaltig die Verhältnisse in Hellas. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, welche Auswirkungen der Sieg über die Perserkonkret in Griechenland entfaltete und ob bzw. inwiefern mit den Perserkriegen etwas Neues begann. Auf diese Weise wollenwir zugleich herausarbeiten, wodurch die „klassische Zeit“ gekennzeichnet war.

Einführende Literatur:

  • George Cawkwell, The Greek Wars. The Failure of Persia, Oxford 2005.
  • Sebastian Schmidt-Hofner, Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit (C. H. Beck Geschichte der Antike), München 2015.
  • Karl-Wilhelm Welwei, Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999.
  • Ders., Sparta. Aufstieg undNiedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 20072; Wolfgang Will, Die Perserkriege, München 2010.

 

PD Dr. Felix Maier:  Tacitus und der frühe Prinzipat

Montag, von 10 bis 12 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Eine der Hauptquellen für die frühe Kaiserzeit in Rom ist das Geschichtswerk des römischen Historikers Tacitus, der in seiner Darstellung die Entwicklung der neuen Regierungsform meisterlich skizziert, kommentiert und kritisiert. Anhand dieser Quelle sollen wichtige Ereignisse im 1. Jh. n. Chr. nachvollzogen, aber auch über die Darstellung von Ereignissen in historiographischen Werken generell diskutiert werden.

Einführende Literatur:

  • Johannes M. Geisthardt, Zwischen Princeps und Res Publica: Tacitus, Plinius und die senatorische Selbstdarstellungin der Hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2015.
  • Victoria E. Pagán, A Companion to Tacitus, Oxford 2012.
  • Michael Hausmann, DieLeserlenkung durch Tacitus in den Tiberius- und Claudiusbüchern der Annalen, Berlin 2009.
  • Stephan Schmal, Tacitus, Darmstadt 2005.

Das Hauptseminar von PD Dr. Felix K. Maier (Tacitus) beginnt erst am 28.10.2019

 

Oberseminar

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:  Oberseminar zur Alten Geschichte

Montag, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.31)

Das Seminar dient der Vorstellung und Diskussion von Qualifikationsarbeiten sowie kleinerer und größerer Forschungsprojekte. Ich bitte um persönliche Anmeldung in der Sprechstunde.

Hinweise: Persönliche Anmeldung beim Dozenten; weitere Informationen zum Oberseminar auch auf der Homepage des Lehrstuhls für Alte Geschichte.

 

Übungen (Theorie und Methode der Geschichtswissenschaft)

Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:  Caesar, Bellum Gallicum, Buch I

Mittwoch, von 10 bis 12 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Gallia est omnis divisa in partes tres . . . In der Übung lesen wir tatsächlich den Anfang von Caesars Gallischem Krieg, die von Generationen gefürchtete Eingangslektüre im Lateinunterricht. Wir tun es im Original, weil nicht eine Übersetzung, sondern allein der lateinische Text valide Erkenntnisse über Autor, Epoche und Gegenstand erlaubt. Es handelt sich um eine historische Übung, deswegen kommt es nicht auf perfektes Übersetzen an (allerdings auf richtiges), und es wird auch nicht um die letzte Feinheit von Caesars Genitiv gehen. In den 42 Seiten des ersten Buches, die das Jahr 58 v. Chr. behandeln, geht es um das Ausgreifen des neuen Prokonsuls Caesar in das freie Gallien, zunächst in einem Feldzug gegen die wandernden Helvetier, dann in der Auseinandersetzung mit dem germanischen Anführer Ariovist. Was erfahren wir über die Völker am Nordrand der mediterranen Welt? Wie sah römische Diplomatie und Kriegführung aus? Warum tat Caesar überhaupt, was er tat, und wie gelang es ihm, seine Intervention als zwangsläufig erscheinen zu lassen? Damit ist das Hauptproblem berührt: Wie sehr kann man einem Text vertrauen, dessen Protagonist mit dem Verfasser übereinstimmt? In der Übung versuchen wir daher methodische Regeln für die Beurteilung des Quellenwerts aufzustellen. Von den Teilnehmern erwarte ich schon zu Beginn des Semesters Kenntnisse der politischen Situation um 58, dann zu jeder Stunde umfassende Vorbereitung – durch Lektüre des Texts und Studium der Literatur – und natürlich Freude an der Diskussion. Gute Lateinkenntnisse sind selbstverständlich.

Einführende Literatur:

  • Markus Schauer, Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk, München 2016.
  • Martin Jehne, Caesar (C. H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe 2044), München 1997.
  • Matthias Gelzer, Caesar. Der Politiker und Staatsmann, Wiesbaden 19606.
  • Martin Jehne, Der große Trend, der kleine Sachzwang und das handelnde Individuum. Caesars Entscheidungen (dtv Premium), München 2009.

 

Dr. Maria Osmers:  Wissenschaft im Dienst des Vaterlands: Die Alte Geschichte im Nationalsozialismus

Dienstag, von 12 bis 14 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Die Themen und Ergebnisse geschichtswissenschaftlicher Untersuchungen werden immer auch von der Zeit geprägt, in der sie entstehen. Besonders eindrucksvoll lässt sich dies in der Zeit des Nationalsozialismus beobachten, als viele Historikerinnen und Historiker sich eifrig bemühten, ein neues Geschichtsbild im Sinne des Regimes zu entwerfen. Im Rahmen der Übung wollen wir anhand ausgewählter Textbeispiele und einzelner Biographien von Gelehrten aus dem Bereich der Alten Geschichte nachzeichnen, wie die nationalsozialistische Ideologie den Wissenschaftsbetrieb in Deutschland beeinflusste und welche Auswirkungen die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse auf die historische Forschung und den Alltag an den Universitäten hatten.

Einführende Literatur:

  • Karl Christ, Römische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, Bd. 3, Darmstadt 1983.
  • ders., Griechische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte (Historia Einzelschriften 106), Stuttgart 1996.
  • ders., Hellas. Griechische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft, München 1999.
  • ders., Klios Wandlungen. Die deutsche Althistorie vom Neuhumanismus bis zur Gegenwart, München 2006
  • Volker Losemann, Nationalsozialismus und Antike. Studien zur Entwicklung des Faches Alte Geschichte 1933-1945, Ludwigsburg 1977.
  • Beat Näf, Antike und Altertumswissenschaft in der Zeit von Faschismus und Nationalsozialismus. Kolloquium Universität Zürich; 14.-17. Oktober 1998, Mandelbachtal u.a. 2001.

 

Hinweise: Die beiden Übungen können auch im Rahmen des Forschungsmoduls für den Master 120 bzw. Master 45 belegt werden; die Leistungserhebung erfolgt im Oberseminar.

 

Digital Humanities

PD Dr. Jorit Wintjes:  Einführung in die Konfliktsimulation

Dienstag, von 16 bis 18 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.36)

Das Seminar bietet zunächst einen Überblick über die Geschichte der Konfliktsimulation und führt anhand von ausgewählten Beispielen aus dem Zusammenhang der Alten Geschichte in die Nutzungsmöglichkeiten derartiger Simulationen ein.

Einführende Literatur:

  • Grundlegend: P. A. G. Sabin. Simulating War: Studying Conflict Through Simulation Games. London: Continuum Publishing Corporation. 2012.

 

PD Dr. Jorit Wintjes:  Historische Simulation – Erstellung: Noble-Minded Friends and Comrades – das Offizierskorps der Royal Navy im 19. Jh.

Mittwoch, von 8 bis 10 Uhr – Lehrstuhl für Alte Geschichte (Residenz, Raum 3.37)

Das Seminar führt in den Umgang mit biographischen Daten, der Analyse und der Visualisierung von Personennetzwerken ein. Als konkretes Beispiel steht das Offizierskorps der Royal Navy der viktorianischen Zeit im Mittelpunkt; als Kerndatensatz dienen die Ergebnisse des ersten Würzburger Hackathon aus dem Jahr 2017.

Einführende Literatur:

  • F. Jannidis, Netzwerke, in: Fotis Jannidis et al. (ed.), Digital Humanities. Eine Einführung, Stuttgart 2017 (grundlegend).