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Institut für Geschichte

Bericht Wien-Exkursion

Wien-Exkursion vom 1.-8. Oktober 2014

von Daniel Stöhr

 

Die Exkursion des Lehrstuhls für Neuere Geschichte führte 23 Studierende des Faches Geschichte in die Perle des Alten Reichs, die Habsburgerresidenz Wien. Auf dieser Reise sollte sie nicht nur als solche, sondern auch als Sitz des Römischen Kaisers und Zentralort des Heiligen Römischen Reiches mit ihrem Umland erkundet werden. Die Hinfahrt begann deshalb mit einem kurzen Abstecher an den Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Durch die Dreieinigkeitskirche und den angrenzenden evangelischen Gesandtenfriedhof wurden wir von Dr. Klaus-Peter Ruess geführt. Dem Gesandtenfriedhof wird trotz seiner Bedeutung im Kontext der Forschung und des städtischen Tourismus immer noch zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht.
Unsere Unterkunft in Wien befand sich am Ende der Mariahilfer Straße, der direkten Einfallsroute in das alte Wien. Auf einem kurzen Fußweg zum Stephansdom bekamen wir einen Eindruck von der Größe und Weitläufigkeit der Stadt. Am Wahrzeichen Wiens angekommen, erhielten wir von Reinhard H. Gruber sowohl generelle Informationen zur Baugeschichte des Doms als auch zu seiner Bedeutung für die habsburgischen Herrscher und konnten nicht nur die Reliquienkammer, sondern auch die Grabmäler von Rudolf dem Stifter und Friedrich III. näher als sonst üblich betrachten.
Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurden wir von dessen Leiter, Mag. Thomas Just, und den Mitarbeitern des Erschließungsprojekts für die Akten des kaiserlichen Reichshofrats, das von der Göttinger Akademie der Wissenschaften mitgetragen wird, empfangen. Nach allgemeinen Informationen wurde auch die zentrale Bedeutung des Archivs für die Reichsgeschichtsforschung angesprochen und durch einen Vortrag von Dr. Tobias Schenk zur Bedeutung der Reichshofratsakten für die Erforschung der Reichsgeschichte abgerundet. Um einen Einblick in die Arbeit des Archivs und seiner Mitarbeiter zu bekommen, wurden wir ins Magazin geführt. Dort wurden uns neben Unmengen noch unbearbeiteten Archivalien einige ausgewählte Akten gezeigt. Auf dem Programm stand ebenfalls ein Besuch im Deutschordenshaus mit einem Rundgang durch das Archiv. Hier wurde uns durch Frank Bayard OT die Geschichte des Ordens innerhalb des Alten Reichs bis heute erläutert und durch exemplarische Quellen verdeutlicht.
Doch sahen wir Wien nicht nur mit den Augen der frühneuzeitlichen Historiker, sondern besuchten auch die Redaktion des Standard, wo wir sowohl einen Blick auf die derzeitigen Probleme und Fragestellungen der österreichischen Gesellschaft werfen konnten, als auch eine Einsicht in die Arbeitsweise der dortigen Journalisten bekamen. Dort wurden wir durch die Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfangen; die Chefredakteurin stellte sich den Fragen und der Diskussion durch die Studenten.
Wir erhielten ferner die Chance, das zur Residenz Wien gehörende Umland kennen zu lernen und besuchten neben dem Stift Klosterneuburg auch einen Heurigen, ganz zur Freude der Studierenden. Ebenso richtete sich unser Blick auch auf das von Prinz Eugen von Savoyen errichtete weitläufige Schloss Hof, das nun nach einigen Jahren der Instandsetzung wieder in ganzer Pracht erstrahlen kann. Daneben folgte ein Besuch in der Franzensburg, die gegen Ende des Alten Reichs als Refugium der Habsburger in der Marktgemeinde Laxenburg errichtet wurde und das Selbstbild der Dynastie in der Übergangszeit nach 1800 widerspiegelt.
Als weiteren Höhepunkt der Exkursion ging es ins nahe gelegene Bratislava/Pressburg – Hauptstadt der Slowakei – wo wir nach einer intensiven Stadtführung die Stadt auf eigene Faust erkunden konnten. Die einstige Hauptstadt des Königsreichs Ungarn spannte nun wieder den Bogen zu unserem Ausgangsthema der Reise, da hier unter anderem Maria Theresia zur ungarischen Königin gekrönt wurde.
Wieder zurück in der Residenzstadt Wien durfte natürlich auch ein Besuch im Schloss Schönbrunn, in der Karlskirche und in der Hofburg nicht fehlen. Hier, an den einstigen Wirkungsorten und am Lebensmittelpunkt der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches begegneten uns in der Schatzkammer der Hofburg auch die Insignien der Herrschaft über das Alte Reich wieder. Doch neben Leben und Wirken der Herrscher – insbesondere Friedrichs III., Maximilians I., Maria Theresia oder Karls VI. – betrachteten wir auch deren letzte Ruhestätten. Wir kamen zum einen in die Kapuzinergruft, der Begräbnisstätte der Habsburger, in der bis heute über 138 Angehörige der Dynastie ruhen, und zum anderen nach Wiener Neustadt, wo Maximilian I. in der Kapelle der Theresianischen Militärakademie beigesetzt wurde. Bei der Führung erhielten wir Unterstützung vom Stadtmuseum Wiener Neustadt.
Auf der Rückfahrt nach Würzburg ging es noch für einen kurzen Halt in die Stadt Wels und zum Sterbeort Kaiser Maximilians I. Nach einer Woche voller neuer Eindrücke mussten wir nun Wien den Rücken kehren und uns wieder Richtung Würzburg auf den Weg machen.